Refan Ray, Ein Schlafritual

Auszug aus Refan Ray, Ein Schlafritual, Vom Träumen und Versäumen

Ein Schlafritual , Auszug als PDF … 

4. Vorbereitung

Um ein Methode durchführen zu können, ist es erforderlich zu Ruhe zu kommen. Wahrscheinlich kennen Sie Techniken, die Ihnen beim Entspannen helfen. Wenn Sie solche Techniken beherrschen, wenden Sie diese an.

Autogenes Training, Autosuggestion oder Selbsthypnose sind gute Vorbereitungen. Bestimmte Meditationen aus unterschiedlichen Schulen können ebenfalls hilfreich sein. Reine Kontemplationen sind an dieser Stelle wenig geeignet.

Eine Kombination aus unterschiedlichen Techniken sei Ihnen ans Herz gelegt. Sie ist einfach, schnell zu erlernen und kann nach Ihren Bedürfnissen angepasst werden.

Sollten Sie die Übung in einem geschlossenen Raum durchführen, informieren Sie eventuell Ihre Familie oder Mitbewohner um ungestört zu sein und verdunkeln Sie den Raum. Im Freien suchen Sie sich einen ruhigen Platz abseits von Ablenkungen. Spielende Kinder oder ausgelassene Hunde sind in anderen Situationen eine erfreuliche Sache, in dieser nicht. Vergessen Sie auch nicht, Ihr Mobiltelefon nach der Übung wieder einzuschalten.

Mit zunehmender Übung ist die Durchführung mancher Methoden allerdings auch in Bus und Bahn, also durchaus auch innerhalb einer Geräuschkulisse möglich.

Die Droschkenkutscherhaltung empfiehlt sich für die schnelle Entspannung zwischendurch. Dabei sitzen Sie auf einem Stuhl, Sessel, Hocker oder dergleichen, stellen die Füße etwa hüftbreit und flach auf den Boden, beugen den Oberkörper leicht nach vorne und legen die Unterarme locker an die Oberschenkel. Eben wie man es von einem Kutscher erwartet, der die Zügel hält. Achten Sie darauf, sich mit den Armen nicht zu sehr abzustürzen. Die Hände sollten sich nicht berühren.

Auch die Sitzhaltung in einem Stuhl mit Armlehnen ist möglich, wobei eine Kopfauflage empfehlenswert ist. Dabei sitzen Sie möglichst aufrecht und legen die Arme locker auf die Armlehnen.

Die Schreibtischhaltung, mit locker auf den Tisch gelegten Armen, ist weniger geeignet, aber ebenfalls möglich.

Oft wird das beste und zugleich angenehmste Ergebnis im Liegen erzielt. Bei der Liegehaltung liegen Sie auf dem Rücken, die Arme seitlich am Körper. Die Füße sollten einander und die Hände den Körper möglichst nicht berühren. Vermeiden Sie jedenfalls das Überkreuzen von Armen oder Beinen. Ein Polster oder besser eine Nackenrolle kann hilfreich sein.

Grundsätzlich ist diejenige Haltung die beste, die für Sie am bequemsten ist. Mit wachsender Erfahrung spielt die Haltung eine abnehmende Rolle.

Nachdem Sie eine angenehme Haltung eingenommen haben, achten Sie auf Ihre Atmung, besonders darauf vollständig auszuatmen. Stoßen Sie Ihren Atem bewusst aus. Dabei kann es zu einem leichten Schnaufen oder Schnauben kommen.

Achten Sie jetzt auf Ihre Gedanken. Zu diesem Zeitpunkt versuchen wir noch nicht unsere Gedanken zu kontrollieren. Lassen Sie aufkommende Bilder oder Szenen einfach an sich vorbei ziehen. Halten Sie an einzelnen Bildern oder Szenen nicht fest sondern lassen Sie den nächsten Gedanken auftauchen. Fast von selbst wird sich eine Gedankenkette bilden. Ein Gedanke wird zum anderen führen. Dabei können wir erkennen, was uns unter Tags beschäftigt hat oder uns nicht beschäftigen konnte weil wir es verdrängt haben, bewusst oder unbewusst. Tun Sie das für wenige, vielleicht fünf Minuten.

Als Nächstes machen Sie sich Ihren Körpers bewusst, das heißt wir lenken unsere Gedanken zuerst auf einzelne Körperteile, dann auf unseren ganzen Körper.

Werden Sie sich der Finger Ihrer rechten Hand bewusst, ein paar Sekunden lang, dann Ihrer Hand, Ihrem Unterarm, Ihrem Oberarm, Ihrer Schulter, jeweils ein paar Sekunden und letztlich Ihrem ganzen rechten Arm, etwas länger.

Gehen Sie mit Ihrem linken Arm genauso vor. Danach lenken Sie Ihr Bewusstsein gleichzeitig auf beide Arme.

Werden Sie sich jetzt der Zehen Ihres rechten Fußes bewusst, ein paar Sekunden lang, dann Ihres ganzen Fußes, Ihres Unterschenkels, Ihres Oberschenkels, jeweils ein paar Sekunden und letztlich Ihres ganzen Beins, etwas länger.

Mit dem linken Bein gehen Sie genauso vor. Danach lenken Sie Ihr Bewusstsein gleichzeitig auf beide Beine.

Machen Sie sich Ihre Hüften bewusst, Ihren Bauch, Ihre Brust und wieder Ihre Schultern, jeweils ein paar Sekunden. Danach Ihren ganzen Oberkörper, etwas länger.

Jetzt Ihren Hals, Ihren Nacken, die Muskeln in Ihrem Gesicht, besonders die Muskeln um Ihre Augen und Ihre Backenmuskeln, jeweils ein paar Sekunden.

Sollten Sie dabei bei einem einzelnen Körperteil gewissermaßen hängenbleiben, also Ihr Bewusstsein nicht schnell davon lösen können, bleiben Sie unbedingt dabei. Halten Sie Ihr Bewusstsein an dieser Stelle. Das wird eine Notwendigkeit haben. Sie wenden gerade eine hohe Form der Heilkunst an.

Zuletzt machen Sie sich Ihren ganzen Körper bewusst, für wenige Minuten.

Vielleicht werden Sie ein Gefühl der Wärme und ein leichtes Kribbeln spüren. Das bedeutet lediglich, dass die Durchblutung gefördert und der Muskeltonus gesenkt wird. Unter anderem deshalb sollten Sie eine Decke verwenden oder zumindest nicht zu leicht bekleidet sein. Ihre Blutgefäße werden sich leicht erweitern und Ihr Körper wird so etwas Wärme verlieren, trotz des Wärmegefühls.

Falls Sie sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht richtig entspannt fühlen, legen wir nach. Wir sind durchaus in der Lage, uns selbst Anweisungen zu geben.

In Abwandlung einer bekannten Anwendung geben wir unserem Körper Befehle. Dabei gehen wir davon aus, dass körperliche Empfindung geistige Empfindung auslöst, also Entspannung unseres Körpers ihre Entsprechung in unserem Geist findet.

Verwenden Sie Sprachmuster, mit deren Hilfe Sie sich, eigentlich Ihrem Körper, wiederholt Anweisungen geben. Viele Anwender benutzen ihre innere Stimme. Wenige bewegen dazu ihre Lippen. Kaum jemand spricht sie für andere hörbar aus.

Hier ein paar Anweisungen. Benutzen Sie diese zumindest am Anfang der Übung in dieser Reihenfolge.

Es ist Morgen/Abend und ich liege/sitze hier in meinem Bett/auf meinem Stuhl und kann vollkommen zu Ruhe kommen … wenn ich will … jetzt und immer …“

Jedes Geräusch, das ich höre vertieft meine Entspannung …“

Gedanken kommen und gehen … im Fluss der Zeit … im Fluss des Raumes …“

Ruhe … tiefe Ruhe … tiefe Ruhe ist in meinem Körper …“

Mein Körper ist vollkommen ruhig … vollkommen entspannt ….“

Ruhe und Entspannung ist in meinem ganzen Körper …“

Mein Körper wird warm … wärmer … mein Körper ist angenehm warm … jetzt …“

Mein Körper wird schwer … schwerer … mein Körper ist angenehm schwer … jetzt …“

Unendliche Zufriedenheit … unendlicher Frieden … unendliche Freude … unendliche Zärtlichkeit … unendliche Liebe … in mir … jetzt und immer …“

Wie zuvor können Sie die Sprachmuster Ruhe, Wärme und Schwere auch auf einzelne Körperteile anwenden.

Wenn Sie eigene Formeln entwickeln, versuchen Sie möglichst positive Formulierungen zu finden. Immer funktioniert das nicht, aber negative Formulierungen sollten zumindest selten sein. Sagen Sie zum Beispiel nicht „Geräusche stören mich nicht …“ sondern „Jedes Geräusch lässt mich tief und tiefer in einen Zustand der Entspannung sinken …“.

Sollten Sie diese Übung lediglich zur Entspannung durchführen, können Sie an dieser Stelle abschließen. Öffnen Sie die Augen und strecken Sie sich. Stehen Sie langsam auf und gehen Sie ein paar Schritte um Ihren Kreislauf wieder in Schwung zu bringen.

Andernfalls kommen wir jetzt zu den Einschlaf- und Schlafmethoden, den Ritualen.

5.1 Ritual des Lächelns

Das einfachste Ritual ist das Ritual des Lächelns. Es ist so einfach und wirksam, dass es schon fast unheimlich ist, ja unglaublich klingt. Es beruht auf einem unumstößlichen Gesetz, das von vielen Methoden genutzt wird und wurde vielfach beschrieben. Auf die unterschiedlichsten Arten, mit den unterschiedlichsten Begriffen und ist unter verschiedenen Namen bekannt.

Nach der Vorbereitung tun Sie folgendes: Lächeln Sie. Das war es schon. Einfach lächeln.

Mit Lächeln ist hier der Gesichtsausdruck gemeint, der Freude, Zufriedenheit und Ruhe, ja Gelassenheit ausdrückt. Kein anderes Lächeln. Dieser Ausdruck wird in Ihr Inneres strahlen und dort wirken, vorbei an Ihrem Bewusstsein, vorbei an Ihren anfänglichen Gedanken.

Es würde Ihnen jetzt sehr schwer fallen, negative, unnütze Gedanken aufkommen zu lassen. Vielmehr werden solche Gedanken verdrängt und machen positiven und nützlichen Gedanken Platz. Die anfängliche Verdrängung geschieht dabei von selbst und ist notwendig, da Sie immer nur einen Gedanken zur selben Zeit haben können.

Dieses Ritual funktioniert mit jedem Gesichtsausdruck und mit jeder Körperhaltung. Versuchen Sie einmal einen möglichst ängstlichen Gesichtsausdruck zu machen und sich dabei auch noch möglichst zu verkrampfen. Auch das wird nach Innen strahlen. Oder, besser, versuchen Sie es lieber nicht.

5.4 Ritual des Moments

Nie ist etwas und nichts kann in der Vergangenheit geschehen und nie wird etwas und nichts kann in der Zukunft geschehen. Nur der Moment ist unsere Gegenwart. Manche Wissenschaftler behaupten, er dauert 30 Mikrosekunden. Eine eingeschränkte Sicht der Dinge. Doch, dieser Moment gehört alleine Ihnen, in diesem Moment können Sie handeln und niemand kann Ihnen diesen Moment nehmen. Sie leben diesen Moment in Ihre Vergangenheit hinein und damit ist er einzigartig und unauslöschbar mit Ihrem Sein verbunden.

In Ihrem Moment können Sie vollkommen ruhig sein, vollkommen ausgeglichen, friedlich und ganz ohne jede Angst, unangreifbar. Anders ausgedrückt könnte man auch sagen, dass der Moment das Einzige ist, das Ihnen wirklich gehört, jetzt und für immer. Etwas anderes werden Sie niemals erleben, niemals bekommen und etwas anderes brauchen Sie auch nicht, weil es nichts Höheres gibt. Machen Sie sich vollkommen bewusst, dass Moment und Ewigkeit nur zwei Worte für ein und dasselbe sind. Sie wissen natürlich wofür diese Worte stehen. Und doch wissen Sie es nicht.

Eine der Schwierigkeiten, mit denen jeder Mensch umgehen muss, ist der Umstand, dass wir räumliche Maße recht gut abschätzen können, die Zeit allerdings ist für uns nur schwer messbar. Wir haben das Jahr, den Mondmonat und den Tag, den wir in Stunden, in Minuten und in Sekunden unterteilen. Nur, das Gefühl für die Zeit geht uns manchmal ab. „Das ist aber schnell vergangen.“ oder „Das hat sich wieder gezogen.“ kann sich auf die selbe, objektiv vergangene Zeit beziehen, subjektiv empfinden wir aber anders.

Ob es Raum und Zeit überhaupt gibt, oder ob nicht alles am selben Ort zur selben Zeit geschieht ist ein Thema für sich. Viele Wissenschaftler benutzen jedenfalls den Begriff der Raumzeit. Und da es für unser Ritual praktisch ist, tauschen wir einfach Raum und Zeit und stellen uns den Moment als Raum vor, als überaus kleinen Raum.

Kennen Sie “Power of Ten”? Es ist ein Kurzfilm aus dem Jahre 1977, der eine Reise zwischen Quasaren und Quarks beschreibt. Wir nehmen es aus wissenschaftlicher Sicht nicht so genau wie dieser Film und dessen Erben, derer es ein paar gibt.

Stellen Sie sich, wieder nach der Vorbereitung, folgendes bildlich und möglichst plastisch vor.

Wir beginnen unsere Reise ins Allerkleinste.

Machen Sie sich Ihren Körper bewusst. Ihren ganzen Körper.

Diese Reise unternehmen wir mit unserem Bewusstsein und das hat keine räumliche Ausdehnung und ist weit entfernt jeder zeitlichen Vorstellung. Notfalls können Sie sich Ihr Bewusstsein innerhalb dieses Rituals auch als unendlich kleinen Lichtpunkt vorstellen.

Ihr Körper besteht aus Organen, zum Beispiel aus Ihrer Haut. Suchen Sie sich ein Stück Haut aus, vielleicht auf Ihrem Handrücken. Bewegen Sie Ihr Bewusstsein auf diese Stelle zu. Es sieht so aus, als würden Sie darauf zoomen, es wird immer größer. Aber es sieht nur so aus. Sie bewegen Ihr ganzes Bewusstsein auf Ihre Hautoberfläche zu.

Ihr ganzer Körper und somit Ihre Haut besteht aus Zellen. Kommen Sie näher. Sie sehen jetzt eine Zelle Ihrer Haut, noch näher, in die Zelle hinein, ins innere der Zelle, weiter in den Zellkern.

Weiter ins Innere des Zellkerns, hinein in ein Chromosom und weiter bis zur DNS oder DNA, dem doppelhelixförmigen Träger der Erbinformation.

Suchen Sie sich ein Molekül innerhalb der Helix, ein hübsches vielleicht und dann lenken Sie Ihr Bewusstsein, den unendlich kleinen Lichtpunkt, auf ein Atom.

Ihr Bewusstsein befindet sich schon jetzt in einem fast unvorstellbar kleinen Raum.

Die Reise geht weiter durch die Hülle des Atoms an den Elektronen vorbei und in dessen Kern.

Stellen Sie sich die Größenordnung vor. Sollte man den Atomkern auf die Größe einer Weintraube aufblasen und in die Mitte einer Kathedrale legen, die Hülle würde die Turmspitze kaum berühren. Dazwischen befindet sich rein gar nichts. Materie besteht hauptsächlich aus nichts.

Im Kern befinden sich Protonen und Neutronen. Ihre Wahl. Nehmen wir hier ein Proton, das ist positiv geladen und passt alleine dieses Wortes wegen besser zu unserem Ritual.

Und weiter geht es ins Innere des Protons, das aus zwei Up-Quarks, einem Down-Quark und einer Suppe anderer Teilchen besteht. Analog zum Gedanken beim Atomkern, wenden Sie Ihr Bewusstsein einem Up-Quark zu.

Tauchen Sie in dieses Quark ein. Wir befinden uns jetzt an der Grenze unserer Vorstellungskraft.

Woraus dieses Quark besteht, bleibt ganz Ihrer Fantasie überlassen. Sind es Strings, Superstrings oder Übergänge in weitere Dimensionen?

Bewegen Sie sich weiter dem Kleinsten zu. Immer weiter. Vielleicht finden Sie etwas.

Sie sind jetzt an einem Punkt angekommen, an dem es nichts Kleineres mehr gibt, an dem Raum und Zeit aufeinander treffen. Alle Planck-Größen, das kleinst undenkbare, haben Sie längst unterschritten, fast kommen Sie Ihnen riesig vor.

Halten Sie Ihr Bewusstsein an diesem Punkt und verinnerlichen Sie das Gefühl, das in Ihnen aufkommt, halten Sie es fest. Sie sind dem Moment und zugleich der Ewigkeit sehr nahe. Der Singularität. Dem Alpha und dem Omega.

Sobald Sie dieses Ritual erfolgreich durchgeführt haben, können Sie in Zukunft dieses Gefühl auch hervorrufen, indem Sie den Ablauf stark beschleunigen oder direkt zum letzten Abschnitt kommen.

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